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Wohlleben: Sollte das Anpflanzen von Bäumen mit rotem Laub wie bei der Blutbuche oder beim Blutahorn unterbleiben?

 

im Juli/August 2020

19. P.W. S.206 u. 207: „Mir gefällt die rotlaubige Blutbuche in unserem Garten nicht so gut, weil die Blätter für mein Empfinden krank aussehen.“

H.B.: Sie sind aber nicht krank, sondern kerngesund. Mit ihrem Habitus und ihrer Ausstattung stellen diese Bäume eine ästhetische, ökologische und interessante Besonderheit dar. Die aus dem Swat-Tal in Pakistan stammende Blutbuchensorte „Swat Magret“, eine Mutation, zeigt nach dem Austrieb der Blätter ab Mitte Mai einen pinkfarbenen, unregelmäßig gezackten und gefleckten Saum an jedem Blattaußenrand. Damit ist sie wertvoll für die Floristik in den Blumengeschäften. Ein Exemplar steht in Witzenhausen- Roßbach hinter der Friedhofskapelle. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine weitere Varietät. Der Baum hat olivgrüne Blätter mit einem hell rosa Rand. Eine sehr schöne Rarität.

P.W. S.206 und 207: „Eigentlich müsste mir die Blutbuche eher leidtun, denn die Abweichung vom bewährten Aussehen gereicht ihnen zum Nachteil, weil sie langsamer wachsen als ihre grünen Kollegen.“

H.B.: Langsames Wachstum schätzen Förster und Waldbesitzer nicht, weil es die Rendite schmälert! Wenn P.W. seinen Wald sachlich richtig beobachtet hätte, wäre ihm aufgefallen, dass die schnell wachsenden Baumarten wie z.B. die Hybridpappeln mit großen Leitgefäßen und Zellen ab ca. 1980 als erstes abstarben, obwohl sie an ganzjährig fließenden Gewässern standen und die Birken auf trockenen Standorten mit kleinen Leitgefäßen und Zellen ausgestattet, kein einziges gelbes Blatt oder trockene Zweigspitzen zeigten und auch nicht abstarben bis etwa zum Jahre 2000.

P.W. S.206: „Es sind Anthocyane (ein Farbstoff), welche die UV-Strahlung abblocken und die Blättchen schützen. Sind diese größer, so werden die Stoffe mit Hilfe eines Enzyms wieder abgebaut. Einige Buchen oder Ahorne weichen jedoch genetisch von der Norm ab, weil ihnen dieses Enzym fehlt. Sie können den roten Farbstoff nicht mehr loswerden und halten ihn auch in den ausgewachsenen Blättern. Diese strahlen daher kräftig rotes Licht ab und verschwenden einen erheblichen Anteil der Lichtenergie.“

H.B.: Diese „Lichtverschwendung“ bewirkt dass langsamere Wachstum. Die einseitige Sicht der Menschen, die nur betriebswirtschaftlich denken können, also nur das langsame Wachstum bedenken, ist aus evolutionärer und ökologischer Sicht eine, wie ich meine, krasse Fehleinschätzung. Tatsächlich könnte, nach meinen Beobachtungen, darin ein Vorteil liegen wegen der Vielzahl der heute gegebenen Wachstumsbelastungen. Gerade die Rückstrahlung von Lichtenergie beim Auftreffen auf die Blattoberseiten schützt diese vor Überhitzung durch die heute mit höheren Temperaturen auftreffenden Sonnenstrahlen. Früher wurden die Oberflächen nicht so heiß wie es derzeit der Fall ist. Dazu kommt noch die allgemeine Temperaturerhöhung der Luftmassen, die geringeren Niederschläge und die deutlich häufigeren und stärkeren austrocknenden Winde als Belastungsfaktoren. Hätte P.W. die gesicherten Erkenntnisse der Wissenschaftler beachtet, wäre ihm diese Fehleinschätzung erspart geblieben. Tatsache ist für mich, klar erkennbar aus den Fakten, dass im zukünftigen Überlebenskampf der Bäume die Rotlaubigen einen leichten Überlebensvorteil haben, wenn die Fremdstoffbelastungen und die Bodentrockenheit weiter so hoch bleiben wie sie jetzt sind.

Vorausgesetzt, dass es überhaupt stimmt, dass die rotlaubigen Blätter mehr Licht reflektieren als die grünen. Die Lichtreflexionsmenge richtet sich auch nach dem Vorhandensein und dem jeweiligen Zustand der glänzenden Fett-/Wachs- Schichten (Kuticula) auf den Blattoberflächen. Diese Schichten sind nach Regenfällen oft angeätzt und abgespült worden. Die nun matten Oberflächen reflektieren weniger Lichtstrahlung. Wurde das bei den entsprechenden Messungen bedacht? Ich bezweifle es.

Wird fortgesetzt…